Chronik

 

Im Herbst des Jahres 1983 machten Josef Nendel, Bernhard Biermann und Alfons Gumbmann einigen anderen Bürgern den Vorschlag, bei der im Frühjahr 1984 anstehenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahl mit einer eigenen, parteiunabhängigen Kandidatenliste anzutreten. Die Vereinigung nannte sich fortan „Freie Wählergemeinschaft Heßdorf“, kurz FW.

 

In den wenigen Monaten bis zum Wahltag konnte man nach intensiver Kandidatensuche den Wählern eine Liste mit 28 Gemeinderatskandidaten präsentieren. Schon bei dieser Liste war es das Ziel, ein Abbild unserer Gemeinde darzustellen und Kandidaten jeden Alters, Männer und Frauen der verschiedenen Berufsgruppen  den Wählern zu präsentieren. Nur Mitglied einer Partei durfte man nicht sein. Außerdem mussten ca. 70 Wahlberechtigte bei der Gemeinde eine sogenannte Unterstützerliste unterschreiben, was für den einen oder anderen Heßdorfer durchaus eine Überwindung forderte, auch wenn er oder sie die Sache an sich unterstützen wollte.  Es kam sogar Gegenwind von Institutionen, die sich eigentlich aus kommunalpolitischen Vorgängen heraushalten mussten.

 

Die Liste wurde angeführt von Alwin Becker, einem bisherigen Gemeinderat der von der CSU geführten Liste. Er und Heinz Lauer arbeiteten die Themen aus und überzeugten mit einem sachlichen und fairen Wahlkampf ohne jede Polemik.  Zusätzlich zu seiner Kandidatur als Gemeinderat der Freien Wähler stellte sich Alwin Becker noch als Bürgermeisterkandidat zur Wahl und erhielt im 2. Wahlgang die erforderliche Stimmenmehrheit zur Wahl als neuer ehrenamtlicher Bürgermeister. Übrigens ging es schon bei dieser Wahl in 1984 auch um die Entscheidung für oder gegen einen hauptamtlichen Bürgermeister.

 

Seine Amtsperiode war geprägt von damals wichtigen Planungen und Entscheidungen, z.B. Führung des Radwegs nach Hannberg und weiter Richtung Niederlindach und der Frage der Abwasserbeseitigung durch Erneuerung der Kläranlage oder als zukunftsweisende Lösung durch eine Überleitung nach Erlangen. Es bedurfte großen Engagement und vieler Verhandlungen, diese Abwasser-Überleitung nach Erlangen zu realisieren, denn die FW hatte zwar mit ca. 14.500 Stimmen auf Anhieb fünf  Mandate erzielt, aber damit noch lange nicht die Mehrheit. Außerdem waren die FW’ler neu im Geschäft und die bisherigen Mandatsträger ihnen nicht immer wohlgesonnen. Auch die Heßdorfer Umgehungsstraße forderte viel Vorbereitung, wenn sie auch erst in den 90’er Jahren endlich realisiert wurde.


Die Gemeinderäte 1984 bis 1990 waren Bernhard Biermann, Paul Dengler, Heinrich Gumbrecht, Heinz Lauer und Josef Nendel. 

Alwin Becker erkrankte zum Ende der Amtsperiode und musste seine Amtsgeschäfte ruhen lassen. Auf eine erneute Kandidatur und Fortsetzung seiner Gemeindepolitik verzichtete er.

 

Es gab zwar Gespräche mit dem späteren CSU-Bürgermeister, doch letztendlich entschlossen sich die FW-Leute, ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten in den Wahlkampf 1990 zu ziehen und mit einer schlagkräftigen Truppe erneut um die Gemeinderatsmandate zu kämpfen. Doch ohne das Zugpferd eines eigenen Bürgermeisterkandidaten war es schwer, das Ergebnis von 1984 zu halten. Im neuen Gemeinderat für die Jahre 1990 bis 1996 waren die Freien Wähler folglich nur mit vier Mandaten vertreten. Dies waren die bisherigen Gemeinderäte Bernhard Biermann, Josef Nendel, Heinz Lauer und Baptist Winkelmann als neuer Bürgervertreter. Heinrich Gumbrecht und Paul Dengler hatten auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

 

Diese Mandatszahl hielten sie auch bei der Wahl 1996. Zwar trat die FW mit Heinz Lauer  zum zweiten Mal mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten an, aber gegen den amtierenden Bürgermeister der CSU war es schwer, einen Wechsel zu erreichen.

So vertraten die bisherigen Gemeinderäte Bernhard Biermann, Josef Nendel, Heinz Lauer die Interessen der FW und fanden mit dem neuen Gemeinderat Bernhard Behm einen starken Partner. Baptist Winkelmann hatte auf eine weitere Kandidatur verzichtet.

 

Wieder ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten, aber mit neuen engagierten Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten kämpfte man 2002 wieder um den Einzug ins Rathaus. Agnes Haußner, Josef Nendel, Peter Hofmann und Heinz Lauer hießen die Bürgervertreter der Periode 2002 bis 2008. Bernhard Biermann und Bernhard Behm gehörten dem neuen Gemeinderat nicht mehr an.

 

Neben der eigentlichen Gemeinderatstätigkeit waren die Vertreter der FW natürlich auch in den Ausschüssen vertreten und sorgten auch dort für eine parteiunabhängige und sachbezogene Politik. So wurde der Rechnungsprüfungsausschuss lange Jahre von der FW geleitet.

 

Bereits bei der Wahl 2008 und in der folgenden Wahlperiode zeichnete sich ein personeller Wechsel ab. Heinz Lauer gehörte dem Gemeinderat nicht mehr an und auch Josef Nendel gab sein Mandat während der Wahlperiode zurück.  Obwohl die FW wieder ein schlagkräftiges Kandidatenteam präsentieren konnte,  musste sie die Wahlperiode mit nur zwei Mandatsträgern, Axel Gotthardt und zunächst Josef Nendel, für den später Johann Ort nachrückte, bestreiten.

 

In 2012 wurde nach dem Rücktritt des bisherigen Bürgermeisters außerhalb des normalen Turnus die Neuwahl des Bürgermeisters erforderlich. Die FW stellte sich dem Wähler mit Johann Ort als qualifiziertem und engagiertem Kandidaten. Natürlich war es bei den bekannten Mehrheitsverhältnissen und Personenkreisen schwer, die Wahl zu gewinnen. Und so konnte Johann Ort zwar ein beachtliches Ergebnis vorzeigen und in die Stichwahl einziehen, die Wahl jedoch nicht gewinnen.

 

Drei Monate vor der Kommunalwahl 2014 wechselte Erich Biermann von der Fraktion des Bürgerblocks zu den Freien Wählern und stellte zusammen mit Axel Gotthardt und Johann Ort auch das Team für die Wahlperiode ab 2014. Die Wahl der Listenkandidaten erfolgte im Beisein des Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger, des Landratskandidaten Dr. Martin Oberle und der Kreisvorsitzenden Irene Häusler.

 

Hubert Aiwanger überreichte bei diesem Anlass Heinz Lauer eine Ehrenurkunde und die Ehrennadel in Gold für seine langjährige Tätigkeit für die Freien Wähler.

 

Im neuen Gemeinderat wurde Axel Gotthardt zum dritten Bürgermeister gewählt.  Erich Biermann und seine Kollegen trieben auch die Gründung eines ins Vereinsregister eingetragenen Ortsverbands voran. Die Gründung erfolgte 2014. Der Verein erhielt den Namen „Freie Wähler Gemeinde Heßdorf e.V.“

 

Im Januar 2015 verstarb der ehemalige erste Bürgermeister der FW Alwin Becker.

 

 

 

 

Vorstandschaft im Gründungsjahr des e.V.:

1. Vorstand Erich Biermann

2. Vorstand Alexander Fuchs

Kassier Michael Ghinda

Schriftführer Thomas Külle

Kassenprüfer Stefan Nendel und Peter Biermann

 

 

 

 

 

Stand 19.10.2015

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